
In unserer Familie spielen wir gern Brettspiele, und die Kinder lieben es auch. Am liebsten mögen sie Spiele, bei denen man ein bisschen mitdenken muss und die trotzdem lustig sind. Und mich als neugierigen Papa freut es, wenn in einem Spiel eine Frage steckt, die nicht auf der Hand liegt. Bei Einhorn Glitzerglück von HABA war das so – und am Ende habe ich den Computer 50 Millionen Partien spielen lassen.
Kurz vorweg: Einhorn Glitzerglück ist ein Würfelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 3 Jahren. Das Material ist sehr gut, das Ergebnis entscheiden vor allem die Würfel – und trotzdem bleibt es bis zum Schluss spannend und hat ein paar richtig schöne Ideen. Ich kann es nur empfehlen. Warum, und was die Simulation über das Spiel verrät, steht hier. Und weiter unten kannst du selbst würfeln und 100.000 Spiele auf einmal simulieren.
Worum geht es?
Vier Einhörner leben im Wolkenland. Eines Tages zieht ein Gewitter auf, und die Einhörner laufen über die Wolken zur Sonne. Unterwegs sammeln sie so viele Wolkenkristalle wie möglich. Und genau die zählen am Ende – nicht, wer zuerst ankommt.
Was in der Schachtel ist

- der Spielplan aus drei großen Puzzleteilen
- vier Einhörner aus Holz, jedes in einer anderen Farbe
- zwei Würfel: ein blauer Wolkenwürfel und ein rosa Kristallwürfel
- ein Säckchen mit 60 rosa Kristallen aus Kunststoff
- die Spielanleitung
Das Material ist richtig gut gemacht. Der Spielplan hält es aus, dass Kinderhände ihn oft zusammensetzen. Die Holz-Einhörner liegen gut in der Hand – man kann sie auch ohne Spielregeln stapeln und herumgaloppieren lassen. Und die Kristalle haben eine schöne Form: Je nachdem, auf welcher Fläche sie liegen, sehen sie ein bisschen anders aus, obwohl alle genau gleich sind.

So wird gespielt
Die Regeln sind einfach genug für Dreijährige und haben trotzdem genug drin, dass auch Erwachsene gern mitspielen.
Der Spielplan

Oben links ist die dunkle Startwolke, unten rechts die Sonnenwolke, das Ziel. Dazwischen liegen weiße Wolken, rosa Wolken mit einem Würfel darauf und lila Wolken mit einem Geschenk. Drei Regenbögen verbinden jeweils zwei Wolken miteinander. Vom Start bis ins Ziel sind es 26 Schritte.
Die zwei Würfel

Gezogen wird mit dem blauen Wolkenwürfel. Er hat statt Punkten Wolken: einmal drei Wolken, zweimal zwei, zweimal eine – und einmal einen Muffin. Bei einem Muffin bleibt dein Einhorn stehen und isst ihn auf; das ist also eine Null. Eine 1 oder eine 2 würfelst du doppelt so oft wie eine 3 oder einen Muffin.
Dass der Würfel höchstens drei zeigt und auch eine Null hat, gibt dem Spiel genau das richtige Tempo. Mit einer Sechs wären die Einhörner viel zu schnell im Ziel, und es bliebe kaum Zeit zum Kristallesammeln.

Bleibt dein Einhorn auf einer rosa Wolke stehen, würfelst du mit dem rosa Kristallwürfel und nimmst dir so viele Kristalle aus dem Vorrat: dreimal einen, zweimal zwei, einmal drei. Meistens gibt es also einen Kristall, drei auf einmal sind selten – aber jede rosa Wolke bringt etwas.
Regenbögen, Geschenke und das Ziel
- Regenbogen: Endet dein Zug auf einer Wolke, an der ein Regenbogen beginnt, rutschst du bis zu seinem Ende. Laut meiner Tochter mit einem fröhlichen Geräusch und einem Sprung über den Marienkäfer.
- Geschenk (lila Wolke): Wer hier stehen bleibt, verschenkt einen Kristall an einen anderen Spieler – und darf aussuchen, an wen. Der Kristall kommt aus dem Vorrat, nicht aus dem eigenen Haufen. Schenken kostet also nichts.
- Ziel: Das erste Einhorn auf der Sonnenwolke bekommt die vier Kristalle, die dort liegen. Damit ist das Spiel aus.
- Platz für alle: Mehrere Einhörner dürfen auf derselben Wolke stehen, und niemand muss je zurück zum Start.
Gewonnen hat, wer die meisten Kristalle hat, sobald das erste Einhorn im Ziel ist. Wer zuerst ankommt, gewinnt also nicht automatisch. Die vier Kristalle im Ziel helfen zwar, aber wichtiger ist, unterwegs möglichst oft auf rosa Wolken zu landen. Genau hier hat meine Neugier angefangen: Wie oft gewinnt eigentlich ein Einhorn, das gar nicht als erstes im Ziel ist?
Gewinner finden, ohne zu zählen
Eine schöne Idee für die ganz Kleinen: Auf der Rückseite des Spielplans hat jedes Einhorn eine Reihe aus Wolken. Jeder legt seine Kristalle vor sein Einhorn – und die längste Reihe gewinnt. So sieht man den Sieger auch, wenn man noch nicht zählen kann, und hat gleich eine kleine Zählübung dazu.

Was mir besonders gefällt
- Wer zuerst ankommt, gewinnt nicht automatisch. Niemand gibt auf, nur weil er dauernd kleine Zahlen würfelt. Und die Kinder rechnen ständig im Kopf mit, wer gerade vorne liegt – denn der Platz auf dem Spielplan ist nur die halbe Wahrheit.
- Die Geschenkwolken. Hier wird man nett zueinander, und man kann gemeinsam überlegen, wer ein Geschenk am meisten braucht.
- Die Muffins. Wie viel Spaß es macht, wenn ein Holz-Einhorn einen gewürfelten Muffin „frisst“, wusste ich vorher auch nicht. So freuen sich Kinder sogar über eine Null.
Das Spiel auf einen Blick
- Name: Einhorn Glitzerglück (im Handel auch „Einhorn Glitzerglück – Der Wolkenschatz“)
- Spieler: 2 bis 4
- Alter: ab 3 Jahren
- Dauer: etwa 10 Minuten
- Autorin: Kristin Mückel
- Illustration: Stephanie Roehe
- Verlag: HABA, 2014
Meine Empfehlung
Ein wunderbares Spiel für kleine Kinder, um Spielmechaniken kennenzulernen, die über „würfeln und ziehen“ hinausgehen. Das Spielziel fasziniert Kinder, weil sie verstehen müssen, woher ein Sieg kommt, statt einfach nur ins Ziel zu rennen. Wenn dein Kind Einhörner mag, kann hier wenig schiefgehen – und wenn nicht, gibt es trotzdem genug liebenswerte Momente. Für jede Familie mit kleinen Kindern, die gern spielt: klare Empfehlung.
Was 50 Millionen Spiele verraten
Jetzt wird es mathematisch. Einen einzelnen Wurf kann man leicht ausrechnen. Aber wenn viele Würfe hintereinander kommen, dazu Regenbögen, rosa Wolken und Geschenke, wird das Rechnen schnell viel zu kompliziert. Da hilft eine Monte-Carlo-Simulation: Der Computer spielt sehr, sehr viele Partien nach den Regeln und zählt mit, was passiert. Ich habe 50 Millionen Spiele mit vier Einhörnern simulieren lassen, und je 10 Millionen mit zwei und mit drei. Bei den Geschenken bekommt in der Simulation ein zufälliger anderer Spieler den Kristall – dazu gleich mehr.
Wie oft gewinnt das erste Einhorn im Ziel?
Mit vier Einhörnern gewinnt das erste Einhorn im Ziel in 78,6 % der Spiele. Das heißt aber auch: In mehr als einem Fünftel der Spiele gewinnt ein Einhorn, das später ankommt, weil es unterwegs fleißiger Kristalle gesammelt hat. In den 78,6 % stecken auch Spiele, in denen sich das erste Einhorn den Sieg mit einem anderen teilt (9,8 % aller Spiele). Ganz allein gewinnt es in 68,8 % der Spiele.
Und jetzt kommen die Geschenke ins Spiel. Laut Regel darfst du aussuchen, wer dein Geschenk bekommt – und das macht einen großen Unterschied. Bekommt immer das Einhorn mit den wenigsten Kristallen das Geschenk, gewinnt das erste Einhorn im Ziel in 89,6 % der Spiele. Bekommt immer das Einhorn, das gerade vorne liegt, das Geschenk, sind es nur noch 62,2 %. Probier es unten in der Simulation aus!
Wie viele Kristalle braucht man zum Sieg?
Im Durchschnitt hat der Sieger 11,47 Kristalle. Interessant: Daran ändert sich fast nichts, egal ob zwei, drei oder vier Einhörner mitspielen – mit etwa 11 oder 12 Kristallen gewinnt man.
Und was ist mit der Regel in der Anleitung, was passiert, wenn die Kristalle ausgehen? Im Säckchen sind 60. Alle vier Einhörner zusammen sammeln im Schnitt 30,77 Kristalle in einem Spiel. Mehr als 60 kamen in der Simulation nur etwa dreimal in einer Million Spielen vor. Das wirst du vermutlich nie erleben.
Eine Knobelfrage für dich: Theoretisch gibt es in einem Spiel mindestens 5 Kristalle. Findest du heraus, warum? (Tipp: Schau dir die letzten Felder vor der Sonnenwolke an.) In der Praxis kommt das mit vier Einhörnern fast nie vor: In 50 Millionen Spielen waren es nie weniger als 7.
Wie lange dauert ein Spiel?
Mit vier Einhörnern wird der Wolkenwürfel im Schnitt 47-mal gewürfelt (genau 47,09-mal), also etwa zwölfmal pro Spieler. Das passt gut zu den 10 Minuten auf der Schachtel. Ein einzelnes Einhorn bräuchte allein im Schnitt 14,8 Züge bis ins Ziel. Aber im Spiel wartet niemand auf das durchschnittliche Einhorn: Es ist aus, sobald das schnellste ankommt. Mit zwei Einhörnern sind es 26 Würfe insgesamt, mit drei 37.
Diese Zahlen braucht man übrigens gar nicht zu simulieren. Weil die Kristalle nie beeinflussen, wie die Einhörner ziehen, kann man den Weg jedes Einhorns über den Spielplan genau ausrechnen – und die Simulation landet genau darauf.
Wie oft gibt es einen Gleichstand?
Mit vier Spielern teilen sich in 11,1 % der Spiele mehrere Einhörner den Sieg, also ungefähr in jedem neunten Spiel. In 10,0 % sind es zwei, in 1,0 % drei – und in winzigen 0,06 % haben alle vier genau gleich viele Kristalle. Das ist etwa einmal in 1.800 Spielen. Mit weniger Spielern wird es seltener: 8,8 % bei dreien, 5,7 % bei zweien.
Ist es ein Vorteil, anzufangen?
Ja, ein deutlicher. Wenn ein Einhorn etwa 15 Züge bis ins Ziel braucht, ist ein Zug Vorsprung viel wert. Mit vier Spielern kommt das Einhorn, das anfängt, in 30,7 % der Spiele als erstes ins Ziel, das letzte nur in 20,0 % (auch das ist genau ausgerechnet). Und weil das erste Einhorn im Ziel meistens gewinnt, wirkt sich das auf die Siege aus:
- wer als Erster würfelt, gewinnt 33,4 % der Spiele,
- als Zweiter 29,4 %,
- als Dritter 26,1 %,
- als Vierter 23,3 %.
Zusammen sind das mehr als 100 %, weil bei einem Gleichstand mehrere gewinnen. Wer anfängt, hat also eine um mehr als 40 % bessere Chance als der Letzte. Mit zwei Spielern ist es ähnlich: 57,8 % gegen 47,9 %. Mein Tipp für Familien: Lasst das jüngste Kind anfangen. Ein kleiner, unsichtbarer Vorteil – und jetzt wisst ihr genau, wie groß er ist.
Zwei, drei oder vier Spieler im Vergleich
| 2 Spieler | 3 Spieler | 4 Spieler | |
|---|---|---|---|
| Das erste Einhorn im Ziel gewinnt (auch geteilt) | 89,3 % | 83,0 % | 78,6 % |
| … davon allein | 83,6 % | 74,8 % | 68,8 % |
| Gleichstand um den Sieg | 5,7 % | 8,8 % | 11,1 % |
| Kristalle des Siegers (Durchschnitt) | 11,72 | 11,56 | 11,47 |
| Kristalle im ganzen Spiel (Durchschnitt) | 18,8 | 24,9 | 30,8 |
| Würfe pro Spiel (Durchschnitt) | 26,0 | 36,7 | 47,1 |
Je weniger Einhörner mitspielen, desto besser stehen die Chancen für das erste im Ziel. Klar: Mit weniger Mitspielern gibt es weniger Einhörner, die unterwegs heimlich mehr Kristalle sammeln könnten.
Probier es selbst aus
Hier kannst du Einhorn Glitzerglück auf einem kleinen Spielplan selbst würfeln – oder mit einem Klick 100.000 Spiele simulieren und mit den Zahlen von oben vergleichen. Stell ein, wie viele Einhörner mitspielen und wer die Geschenke bekommt, und schau, was sich ändert.
Was ich daraus mitnehme
Angefangen hat alles mit einer Frage: Wie oft gewinnt das erste Einhorn im Ziel nicht? Mit einer neuen, viel schnelleren Version meines Programms (mit Hilfe von KI geschrieben und mit meinen ursprünglichen Ergebnissen abgeglichen) kamen noch ein paar Antworten dazu: Anfangen ist ein echter Vorteil, ungefähr jedes neunte Spiel endet unentschieden, und wie die Geschenke verteilt werden, verändert das Spiel deutlich.
Dem Spielspaß tut das übrigens keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Großen haben etwas zum Nachdenken, während die Kleinen ihre Einhörner mit Muffins füttern.
Diesen Spielbericht gibt es auch auf Englisch, mit allen Diagrammen der Simulation: Unicorn Glitterluck: Rules, Review, and Game Simulation.